Schulterluxation - Ausgekugelte Schulter

Man nennt sie auch Schulterverrenkung, fachsprachlich Luxatio humeri.

Unter einer Schulterluxation versteht man das Auskugeln des Gelenkes. Dies bedeutet, dass der Gelenkkopf des Oberarms nicht mehr in der Gelenkpfanne liegt. Ursächlich hierfür sind meist Unfälle. Es kann jedoch aber auch vorkommen, dass die Bänder des Schultergelenks den Gelenkkopf nur unzureichend in der Gelenkpfanne halten. Dies kann zum einen daran liegen, dass sie durch eine Überdehnung ausgeleiert wurden, die Anlage dazu kann aber auch erblich bedingt sein.

Es gibt Patienten, die wegen instabiler Bänder oder Muskelstrukturen chronisch die Schulter ausrenken, bei jeder kleinen Bewegung, beispielsweise beim Schuhe-Anziehen (habituelle Schulterluxation ohne Trauma). Die Ursachen können auch angeboren sein, zum Beispiel durch eine anlagebedingte Pfannendysplasie (Vergleich: Hüftdysplasie).

Ursachen

Schulterluxationen werden nach der Art ihrer Entstehung unterschieden in traumatische Luxationen als Unfallfolge, von einer posttraumatisch wiederkehrenden (rezidivierenden) bei später wiederkehrenden Verrenkungen nach einem früheren Unfallereignis. Auch die vorstehend genannte habituelle Luxation gehört dazu.

Das Schultergelenk wird ausgerenkt, wenn der Oberarm eine Hebelbewegung während einer Außenrotation erfolgt und sich dabei der Arm weg vom Körper bewegt. Meist springt der Oberarmknochenkopf bei einer Verrenkung nach unten vorn, seltener sind Verrenkungen hinten. Bei nach oben gestrecktem Arm luxieren Schultern auch sehr selten. Zwischen dem Oberarmkopf und der Schulterblatt-Gelenkpfanne gelegen ist das Schultergelenk eines der beweglichsten Gelenke im gesamten Körpers und zählt zu den Kugelgelenken aufgrund seiner Form.

Wenn nach einem Unfall viel später eine posttraumatisch immer wiederkehrende Schulterluxation auftritt, so liegen die Ursachen dahin, dass entweder Schäden verblieben sind, das knorpelige oder knöcherne Teile (Labrum) abgerissen wurden (Bankart-Läsion) oder dass der Oberarmkopf am Rand eingedrückt wurde (Hill-Sachs-Läsion). Auch eine allgemeine Schwäche vom Kapsel-Band-Apparat oder der Verlust der Sensibilität, Kontrolle oder Wahrnehmung bzw. eine Muskelschwäche bei angemessener Rehabilitation kommen als Ursache für eine später immer wiederkehrende Schulterluxation in Betracht.

Erfolgt eine Schulterluxation durch einen Unfall und sind keine Bänder gerissen oder Knochen beschädigt, ist meist nur die Einrenkung des Gelenks notwendig.

Sie die Verletzungen jedoch weiter reichend, kann eine Operation notwendig sein. Kommt es zu einem häufigen Auskugeln, zum Beispiel weil eine erbliche Veranlagung oder eine Bänderschwäche besteht, kann nur eine Operation helfen, bei der die Bänder gekürzt werden.

Vorbeugen kann man einer Schulterluxation normalerweise nicht, da sie in der Regel plötzlich und unerwartet auftritt. Mäßiger Sport, am besten Physiotherapie unter professioneller Anleitung, stärkt die Muskulatur und kann helfen, sich die Schulter nicht so schnell und bei jeder Kleinigkeit auszurenken. Oft tritt dieses Problem im Kindes- und Jugendalter auf mit einer bleibenden, aber schmerzarmen Instabilität. Neben einem schwachen Muskel-Band-Apparat oder Fehlkonstruktionen im Schultergelenk sind hierfür auch eine angeborene Bindegewebsschwäche oder eine erhöhte Elastizität bei Wundheilungsstörung der Haut und andere (Erbkrankheiten, Muskelfehlansteuerung) verantwortlich für eine habituelle Schulterluxation.

Diagnostik

Mittels klinischer Diagnostik erfolgt die Untersuchung einer Schultergelenk-Luxtion. Hilfreich ist die Röntgenaufnahme der Schulter in 2 Ebenen, auch zum Ausschluss weiterer begleitender Verletzungen. Eventuell lässt sich so auch die Ursache klären, z. B. bei Fehlbildungen. Zum Ausschluss einer Rotatorenmanschetten-Schädigung ist die Sonografie das Mittel der Wahl, für die Lage von Oberarmkopf zur Pfanne dienen spezielle Röngenaufnahmen, Magnetresonanztomografie oder Computertomografie.

Therapie und Vorbeugung

Es wird entweder konservativ oder operativ therapiert, je nachdem, wie ausgeprägt die Luxation ist. Oft reicht das Einrenken unter Schmerzmittel (Schmerzlinderunge, Muskelentspannung) aus, um Schäden an Knorpel oder Weichteilen zu vermeiden.

Zur konservativen Therapie zählen Verhaltensregeln des behandelnden Arztes zu beruflichem und sportlichem Verhalten. Eigenübungen zur Kräftigung der Muskulatur und zur Stabilisierung des Gelenks sind besonders zu empfehlen. Medikamente tragen zur Schmerzlinderung und zur Reduktion auftretender Schwellungen bei. Auch die Gabe von Antirheumatika ist manchmal sinnvoll.

Orthopädietechnisch werden Schulterluxationen mit einem Gilchristverband, einer Thorax-Abduktionsschiene (oder -kissen) oder einer Antiluxationsorthese behandelt. Nach der Ruhigstellung sollte eine physiotherapeutische Therapie zur Muskelkräftigung angeschlossen werden. Eigenübungen können dabei angeleitet und erlernt werden. Hilfreich im akuten Stadium sind lokale Kühlungen, Bewegungsbad und spezielle Behandlungstechniken aus der Krankengymnastik (PNF oder Manuelle Therapie).

In besonders schweren Fällen rät der Arzt zur Operation und berät gleichzeitig, welche gängige Methode für den Einzelfall die richtige bei optimalem Ergebnis ist.

Vorbeugung

Da eine Schulterluxation plötzlich und unerwartet auftritt, lässt sich ihr nur schwer vorbeugen. Nach einer Luxation ist zeitweise angemessene Ruhigstellung und danach konsequente Krankengymnastik sinnvoll. Schulterbelastende Sportarten oder Arbeiten sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Manchmal helfen auch zeitige Rekonstruktionen bei der Vermeidung von Reluxationen.